CD: Pop a Flop

Von Ingo Schiweck

Jim Ed Brown hatte Humor. Ich durfte den Mann aus Arkansas vor einigen Jahren im legendären Ryman Auditorium in Nashville/Tennessee auf der Bühne sehen. Bevor der bereits betagte Country-Sänger den Song Pop a Top anstimmte, erzählte er dem Publikum, seitdem er Alan Jacksons Hit singe, fänden seine Enkel ihn plötzlich cool. Jeder im Saal wußte: Jim Ed hatte mit Pop a Top schon einen Riesenhit, als Alan Jackson, einer der Country-Superstars des vergangenen Vierteljahrhunderts, noch die Grundschule besuchte. Und: Zur Zeit von Browns Welterfolg The three Bells, den er 1959 mit seinen Schwestern Bonnie und Maxine als Trio The Browns aufgenommen hatte, trug Jackson noch Windeln.

Die Browns hatten auch neben ihrem Superhit erheblichen Erfolg und riefen Nachahmer wie das Harden Trio (Tippy toeing) auf den Plan. Die Erfolgsgeschichte der Browns bis zur Auflösung der Gruppe im Jahr 1967 ist von Bear Family Records schon vor bald 25 Jahren mit einem zum Weinen schönen Box-Set gewürdigt worden. 2015 ist Jim Ed Brown im Alter von 81 Jahren an Lungenkrebs gestorben. Eine CD, die auch seine 1965 gestartete Solokarriere in Originalaufnahmen berücksichtigt, war schon seit längerem nicht mehr am Markt. Das britische Label Morello Records, das zu Cherry Red Records gehört, hat das jetzt geändert und zwei Jim-Ed-Brown-Alben auf eine günstige CD gepreßt: Best of Jim Ed Brown und Jim Ed & Helen. Greatest Hits.

Eigentlich hätte man Jim Ed Brown bei RCA gerne als Nachfolger des 1964 tödlich verunglückten Weltstars Jim Reeves gesehen. Daß parallel zu Browns Platten lange Zeit immer wieder neue Reeves-Aufnahmen posthum unters Volk gebracht wurden, die es auf die Spitzenplätze der Charts schafften, paßt irgendwie nicht dazu. Browns Country-Nummer-drei von 1967, Pop a Top, zeigt aber gut: Es waren hervorragende Platten möglich, die sich trotz Jim Ed Browns stimmlicher Nähe zum Texaner Reeves von den oft allzu glatt wirkenden „Gentleman Jim“-Produktionen unterscheiden und dabei doch ein breites Publikum ansprechen konnten.

Best of Jim Ed Brown, im Original 1973 erschienen, beschert dem Hörer neben Pop a Top leider nicht wirklich das Beste. Da ist zum Beispiel kein You can have her (1967), kein Longest Beer of the Night (1968), kein Ginger is Gentle and waiting for me (1970), kein Wake me up in Oklahoma (1971; klingt wie eine interessante Umdichtung von Waylon Jennings’ Something’s wrong in California) und auch kein Sometime Sunshine (1973). Stattdessen sind unsägliche Titel wie How I love them Old Songs oder Evening (beide von 1972) vertreten, qualitativ Durschnittliches wie Southern Loving (1973) ist dabei und nur ausnahmsweise ein Juwel wie die Trinker-Ballade Bottle, Bottle (1968). Das alles in einer Klangqualität, die für eine Reissue-Firma mit professionellem Anspruch einfach beschämend ist.

Noch schlimmer wird es beim zweiten Album auf der CD, das zuweilen in den Ohren richtig wehtut. Dafür ist man hier mit der Songauswahl auf der sicheren Seite, die zehn von 13 Single-A-Seiten des Duos Jim Ed Brown und Helen Cornelius umfaßt. Das Album öffnet mit dem berühmten Nummer-eins-Hit der beiden von 1976, I don’t want to have to marry you, und es schließt mit der letzten Single-Veröffentlichung, Don’t bother to knock aus dem Jahr 1981, die es als rockige Nummer mit bescheidenen Qualitäten immerhin noch auf Platz 13 der Country-Charts geschafft hat.

Das Dusville-Urteil:

Die vorliegende CD kann ich bei allem eigenen Sinn für Humor und trotz akzeptabler Liner notes nicht empfehlen, weil sie Jim Ed Brown nicht gerecht wird. Interessierte sollten Browns alte Vinyl-LPs erkunden. Es gibt sie meist als US-Import bei Ebay & Co. Ach, wenn sich Richard Weize doch noch mal quälen würde …

Die Dusville-Wertung:

Musik 6/10

Klang 4/10

Ausstattung 6/10

Relevanz 4/10

Gesamt 5/10

CD Jim Ed Brown/Helen Cornelius, Best of Jim Ed Brown/Jim Ed & Helen. Greatest Hits, Morello Records/Cherry Red Records, MRLL 63, 2016.