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Mit 66 Jahren – da kapiert man’s immer noch nicht

Von Ingo Schiweck

Uli Luciano hat mit seiner neuen Single „Ich versteh’s nicht“ einen Schritt zurück gewagt – zurück in die Geschichte der deutschen Popmusik, und auch zurück in seine eigene Historie.

Luciano kennen Eingeweihte als ehemaligen Drummer und Texter der Düsseldorfer Rockgruppe Sinclair. Die hatte sich in den 70ern einen Ruf als hervorragende Liveband erspielt und beim Hansa-Sublabel Der andere Song die LP „Rock Real“ (1978) veröffentlicht. Darauf: deutschsprachige Songs wie „Der kranke Punker“, „Disco-Fredi“ und „Ufo“. Die erste wurde zur letzten LP, als sich bei den Vorschußverhandlungen zur zweiten Platte ein Bier übers Hemd eines Hansa-Managers ergoß. Luciano mußte dann wegen einer Krankheit kürzertreten, die Band fiel 1981 – zu besten NDW-Zeiten – auseinander, nur um in den 1990ern noch mal kurz reaktiviert zu werden. Luciano arbeitete derweil als Hauptschullehrer, konnte aber nebenher auch mal bei den Kollegen Jürgen Drews und Herbert Grönemeyer Texte plazieren.

Das jetzt als Download erschienene und von Luciano selbst sprechgesungene „Ich versteh’s nicht“ (Kick-Media) wirkt wie eine Mischung aus Kraftwerk und Neuer Deutscher Welle. Die Musik stammt denn auch von Bodo Staiger – einst als Rheingold-Frontmann Elektropopper und NDW-Protagonist der ersten Stunde. Die Klänge sind elektronisch-sparsam, Lucianos Text ist dadaistisch-überraschend gedacht. Da jagen Matrosen Fencheltee im Gegenwind, während der Durchlauferhitzer einen Sohn gebiert. Da erfrieren verliebte Motorhauben im Heu, und Libellen entführen ein Bügeleisen. Im Refrain versteht Uli Luciano das alles nicht. Angesichts seines Alters – Luciano ist 66 – kann man davon ausgehen, daß das in diesem Leben auch nichts mehr wird. Dennoch: Der Retro-Song ist eingängig und macht Spaß.

Das Dusville-Urteil:
Download-Empfehlung!