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Düsseldorf: Ein Stern-Verlag verglüht

Von Ingo Schiweck

Was der Zweite Weltkrieg nicht geschafft hat, das ist dem Internet und der Wehrhahn-Linie gelungen: Das Buchhaus Stern-Verlag, Deutschlands größte Buchhandlung, schließt. Ende März 2016 ist es soweit, dann sperrt der Buchtempel an der Düsseldorfer Friedrichstraße (mit Außenstelle an der Heine-Uni) zum endgültig letzten Mal seine Pforten auf. Den Mitarbeitern, die ihren Job verlieren, ist jetzt ein Sozialplan vorgestellt worden.

Die Schließung war in Branchenkreisen schon länger erwartet worden, nur der Zeitpunkt konnte noch überraschen. Der Stern-Verlag versprüht im Innern den Charme der 1980er Jahre, als sich Buchhändler über die Digitalisierung der Medien noch keine Gedanken gemacht haben. Zwar ist das im Jahr 1900 gegründete und noch heute inhabergeführte Unternehmen schon 1996 in den Internethandel eingestiegen – das Ladengeschäft läßt sich damit aber nicht am Leben halten. Neben dem Online-Handel haben seit 2008 der Zuzug einer Kö-Renommierfiliale der Mayerschen Buchhandlung und eines Thalia-Buchladens (Düsseldorf Arcaden) Kundenströme vom Stern-Verlag weggelenkt. Die einst 8000 qm Stern-Verlagsfläche sind zuletzt auf „mehr als 5000 qm“ reduziert worden; in Teilen des Geschäftshauses wurden statt Büchern nun Teppiche angeboten.

Die kleinteilige Struktur der an sich riesigen Ladenfläche hat das Ihre dazu beigetragen, daß die Buchhandlung nicht überlebt: In vielen kleinen Abteilungen wird insgesamt mehr Personal benötigt als in wenigen großen. Ein langwieriger und teurer Umbau des firmeneigenen Hauses hätte sich nicht gelohnt, zumal die neue Düsseldorfer U-Bahn-Linie („Wehrhahn-Linie“) die Friedrichstraße ab dem kommenden Februar noch weiter ins Abseits rückt, als sie es bisher schon ist. Die WestLB-Abwicklung hat den Geschäften auf dieser Einkaufsstraße bereits viel kaufkräftiges Publikum geraubt – mit der Wehrhahn-Linie verschwindet der ÖPNV von der Friedrichstraße unter die Erde. Der Gedanke, mal kurz aus der Bahn rauszuspringen, um beim Stern-Verlag zu stöbern, hat sich damit praktisch erledigt. Die Umgestaltung der Straße mit lästiger Baustelle und weniger Parkplätzen nach Eröffnung der U-Bahn-Linie hätte weitere Umsatzeinbußen für die Buchhandlung bedeutet.

Was aus dem angeblich profitablen Bibliotheksgeschäft und dem Internethandel des Stern-Verlags wird, muß sich noch zeigen. Bereits 2013 ist in Köln (!) unter der Adresse des Fachliteratur-Beschaffers VUB eine „Buchhaus Sternverlag GmbH & Co. KG“ gegründet worden. Was da auch kommen mag: Düsseldorf ist auf jeden Fall im nächsten April eine kulturelle Attraktion, eine Institution ärmer.